Tübingen Türen

Auf Grund der Tatsache, dass man in Tübingen sicher mehrere hundert tolle Türen, Fenster und Durchgänge fotografieren könnte, habe ich beschlossen, meinen Beitrag zum Stadtprojekt Zeig uns Deine Stadt aufzuteilen. Heute zeige ich Euch ein paar Türen (und irgend wann dann demnächst ein paar Fenster) – und gleich auch noch vorneweg den Hinweis, dass heute vermutlich etwas mehr die Historikerin als die Fotografin durchkommt:

881C7079

Hier eine der vielen schönen Türen des Pfleghofes – der Pfleghof gehörte zum Kloster Bebenhausen, das nördlich von Tübingen liegt. Ein Pfleghof ist so etwas wie eine  Außenstelle des eigentlich Klosters innerhalb einer Stadt, hier wurden zum Beispiel Abgaben gesammelt und Geschäfte getätigt. Der Tübinger Pfleghof ist ein wirklich imposantes Gebäude, entstand im Spätmittelalter, und wird seit 1881 von der Universität benutzt. Heute beherbergt der Pfleghof neben dem  Musikwissenschaftlichen Institut, das auch die alte Kapelle benutzt,  ein selbstverwaltetes Studentenheim (seit 1949) und den – nicht immer besetzten – Polizeiposten Innenstadt. Und auch wenn an dieser Tür Studentenheim steht, das ist nicht der übliche Durchgang, sondern dieser hier:

881C7081

aber auch ganz nett ;-)

X

Etwas neuer ist diese Tür der sogenannten Alten Aula, welche 1477 als eines der ersten Gebäude für die neugegründete Universität gebaut wurde und  in unmittelbarer Nähe der zentralen Stiftskirche steht – die Tür selbst samt der (früh)klassizistischen Fassade stammt aber aus dem Jahre 1777 – als man zur  300-Jahr-Feier der Universität die Alte Aula umbaute (vorher sah die Aula so aus, im oberen Bereich des Dachstuhles wurde übrigens angeblich das Getreide für die Professorenbesoldung gelagert)
881C7091

881C7090

Hier sieht man die Fassade der Alten Aula, was man nicht sieht: Das Gebäude steht am Hang und ist keinesfalls so klein wie es hier auf dem Foto erscheint, auf der Rückseite besteht die Alte Aula aus sieben Stockwerken. Heute findet man hier das Institut für Erziehungswissenschaft ( und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es übrigens eine Neue Aula).

881C7093

Und wieder die Tür eines Studentenwohnheims, Münzgasse 13 – des sogenannten Martinianum. Das „Martinianum“ wurde 1509 von einem Stuttgarter Stiftsherrn  und dem Tübinger Stiftskirchenpfarrer  als „Collegium Sanatorium Georgii et Martini“ gestiftet, um armen Studenten ein von Unterhaltssorgen freies Studium zu ermöglichen. 1683 bezog die Stiftung dieses damals extra für sie gegenüber der Stiftskirche errichtete Gebäude. Bis 1923 wohnten hier die Stipendiaten, dann wurde das Wohnheim vom Tübinger Studentenwerk verwaltet und schließlich unter den Nationalsozialisten enteignet, so dass dort dann seit 1936 neben der Polizeidirektion die Tübinger Zweigstelle der Geheimen Staatspolizei („Gestapo“) ihren Platz fanden. Nach dem Krieg  zogen die Franzosen ein, dann wieder die deutsche Polizei bis nach deren Auszug 1977 das Gebäude zunächst leer stand und dann von Studenten besetzt wurde. Heute ist es ein selbstverwaltetes Studentenheim dessen Blauer Salon  – die Hausbar der Münzgasse – als berühmt berüchtigt gilt ;-) (Und das Gebäude wird uns auch bei den Fenstern wieder begegnen)

Es müssen aber nicht immer die Türen und Tore berühmter Gebäude sein, die einem bei einem Streifzug durch die Altstadt ins Auge fallen, wobei ich mir natürlich sicher bin, dass man mit etwas Recherche auch zu diesen Türen entsprechende Daten und Geschichten finden könnte …. heute aber „nur so“ zum Anschauen:

881C7096

881C7097
881C7107

881C7116

X

Und dann zum Schluss doch noch ein paar der klassischen Touristen-Highlights – das Tübinger Schloss (eigentlich: Schloss Hohentübingen), das im  11. Jahrhundert erbaut, im 16. Jahrhundert erweitert wurde und eine Mischung aus mittelalterlicher Burg und neuzeitlicher Residenz ist –  heute beherbergt das Schloss u.a. das Museum der Universität Tübingen sowie die Ur-und Frühgeschichte, die klassische Archäologie, die Archäologie des Mittelalters,  Ägyptologie oder die Empirischen Kulturwissenschaften (und etliche weitere sogenannte Orchideen-Fächer). Ich habe aber nicht das Portal fotografiert, sondern zum einen den Hintereingang mit Tunnel und die Tür zur Schlosskapelle:

881C7111 881C7115

x

Und zum Schluss noch die „Türen“ der beiden Stiften, zunächst das Portal des Wilhelmsstift – gegründet auf dem Platz eines Franzsikanerklosters entstand hier in der Mitte des 16. Jahrhunderts ein sogenanntes Collegium illustre, eine Art Hochschule für junge Adlige in Tübingen, wo diese nicht nur wissenschaftlich ausgebildet werden sollten, sondern auch in Tanzen, Reiten, Fechten und Ballspiel. Es konnte bis zu seinem Ende 1817 aber nie mit dem Evangelischen Stift (nächste Tür) mithalten. Heute gehört das Gebäude der Diözese Rottenburg und beherbergt Studenten der Katholischen Theologie bzw. genauer Priesteranwärter:

881C7124

x

Last but sicher not least: Die Pforte des Evangelischen Stiftes. 1536 von Herzog Ulrich gegründet, um „begabten Landeskindern“ (also Söhnen, versteht sich …) die Möglichkeit zu einer theologische Ausbildung zu geben. Hier studierten so bekannte Männer wie Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin, Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, Gustav Schwab, Wilhelm Hauff oder Eduard Mörike (heute werden natürlich auch Frauen ins Stift aufgenommen):

881C7100

x

So, das war’s für heute – viel Text, viel Historisches, für den Rest der Woche plane ich dann wieder mehr Fotos.

Advertisements

3 Gedanken zu “Tübingen Türen

  1. Hallo Larissa – wunderschön, Deine Fotos!!!

    Ich habe eine Frage an den Profi…. ich habe (noch) kein Photoshop (finanzielle Gründe….als freie Journalistin ist es derzeit schwer…)…. und bearbeite meine Bilder mit meinem Fotoprogramm der Canon Power Shot G12. Was mir noch fehlt, ist ein WASSERZEICHEN….habt Ihr einen Tipp (ich arbeite am Mac….) für mich für ein simples, aber effektives Feature? Danke!
    Meine Fotos aus Germersheim und Lagos kommen dann wieder am letzten Tag… bin grad im Umzugsstress….. .

    Gefällt mir

    • Danke – ich habe auch kein Photoshop, sondern arbeite mit Lightroom – ist schon mal eine ganze Ecke günstiger. Davor habe ich meine Bilder mit Gimp bearbeitet, das ist kostenlos und kann eigentlich alles – wenn es auch in der Bedienung oft etwas unhandlich erscheint. Ich denke aber, man kann Wasserzeichen mit diesen ganzen kostenlosen Programmen vermutlich auch hinbekommen – mehr weiß ich aber eben auch nicht … *hüstel*

      Sandy? Du?

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s